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Ein Gastbeitrag von Isabelle aus München

Sobald man als Frau verrät, dass man schwanger ist, kommen die Leute aus ihren Löchern gekrochen und überschütten einen mit Ratschlägen und gut gemeinten Tipps. „Ohhh, kauf dir bloss jetzt schon einen guten Still-BH, ICH habe meinen ja da und da gekauft!“ „Weißt du schon, was es wird? Wenn ich mir deinen Bauch so anschaue, tippe ich auf ein Mädchen!“ „Wo willst du entbinden? Also von Krankenhaus XY kann ich dir nur abraten, weil….“ „Willst du stillen? Du kannst meine Milchpumpe haben, die ist noch wie neu!“ „Kaiserschnitt oder normale Geburt, was planst du?“ Und so weiter….und so weiter…..

Die wirklich wichtigen Dinge sagen sie dir aber nicht.

Warum ist das so? In erster Linie ist das Thema Schlafen und das Wetter irgendwie ja auch ein Dauerbrenner, selbst im nicht schwangeren Zustand passen diese Themen ja immer. Ich finde das jetzt eher nicht so interessant, ich hasse Small Talk.

Bei all den Gesprächen hätte ich mir gewünscht, dass mal jemand wirklich etwas tiefsinniges zum Thema Mama werden sagt. Etwas, das mir in Erinnerung bleibt. Ich hole das für euch heute einfach mal nach…….

Also, wenn du Mama wirst, dann wirst nie wieder dieselbe Person sein, die du früher einmal warst.  Verabschiede dich von ihr. Deine größten Erfolge und alle Worst-Case-Szenarien deines Lebens verblassen, wenn man sie mit den Erlebnissen als Mama vergleicht.

Jede noch so entfernte Naturkatastrophe und jeder Terrorakt wird zu einer „Was-wäre-wenn-das-jetzt-meinem-kind-passiert-wäre“-Besessenheit.

Jede Bedienungsanleitung im Haushalt wird auf ihre Sicherheitshinweise hin überprüft.

Es wird immer dieses komische Gefühl im Hinterkopf geben, wenn das eigene Kind mit den Kindern der Nachbarschaft alleine draußen spielt, aus Angst, ein Raubtier könnte hinter der Schaukel lauern.

Wenn dein Kind mit einer Behinderung oder gesundheitlichen Problemen geboren wird, dann wirst du unzählige Stunden damit verbringen, Gott darum zu bitten, dass doch bitte du stattdessen diese Bürde tragen willst.

Du wirst so oft dem Drang widerstehen müssen, dein Kind in Watte packen zu wollen, weil du es vor allem beschützen willst.

Du wirst an jede Angst und Enttäuschung und emotionale Narbe deines eigenen Lebens denken müssen und dabei inständig hoffen und beten, dass dein Kind das nie ertragen wird müssen. Gleichzeitig wirst du merken, dass das unmöglich ist, und dein Herz wird sehr schwer werden.

Jeder Fernsehbericht über Attentäter bricht dir das Herz. Du hast eine verdammte Angst, dass die Zukunft deines Kindes in Gefahr ist.

Wenn dein Kind krank ist, dann spürst du seine oder ihre Schmerzen an deinem eigenen Leib. An manchen Tagen schwillt dein Herz vor Stolz an und deine Augen leuchten vor Freude, nur weil du an dein Kind denkst.

Es wird Momente des Zweifels geben, ja, auch die sind ganz normal. Wenn dein Kind stundenlang schreit, dann fragt man sich als Mama auch mal, auf was man sich da wohl eingelassen hat. Und direkt nach diesen Gedanken hasst du dich selber dafür, dass du überhaupt sowas Verwerfliches gedacht hast – Für nichts in der Welt würdest du dein kleines Wutknäuel eintauschen wollen.

Es wird Zeiten geben, in denen du so müde und so frustriert bist, dass du einfach mal das Haus verlassen musst. Lass den Papa oder die Oma oder jemanden, dem du vertraust kurz einspringen.

Du wirst dich oft sehr schuldig fühlen, vielleicht geht es ums Abstillen oder ums Zufüttern oder…oder..oder…. Egal, welche Entscheidungen du triffst, die Schuld wird versuchen, sich in deinen Kopf zu schmuggeln…Aber weißt du was? Irgendwann wirst du das Vertrauen und die Kraft aufbringen können, um die Schuld in den Arsch zu treten.

Du wirst dich gelegentlich im Badezimmer einschließen, nur damit du eine Sekunde lang aufatmen kannst.

Du wirst Stunden damit verbringen, dein Kind beim Schlafen oder beim Spielen anzustarren, denn das verliert nie an Faszination und es ist besser als jeder verdammte Kinofilm.

Du wirst in Situationen geraten, in denen dein Löwenherz in Sekundenschnelle zur Tat schreitet. Du wusstest vorher nicht, dass du so schnell agieren kannst. Wenn es um dein Kind geht, dann wirst du zur Furie.

Du wirst viel emphatischer werden. Wenn eine andere Mama dir von ihrem Leid klagt, dann weinst du mit. Euch verbindet die Liebe zu einem Kind.

Der Ratschlag „Genieße es, es geht so schnell vorbei!“ wird dich irgendwann nerven, denn du weißt, dass es schön aber auch verdammt anstrengend sein kann. Das haben die Leute, die diesen Ratschlag aussprechen anscheinend schon vergessen.

Das erste gemalte Bild deines Kindes verleiht dir Flügel. So etwas Schönes wirst du lange nicht gesehen haben, auch wenn es nur ein weißes Blatt mir einem bunten Kreis drauf ist.

Das erste Lachen deines Kindes wird zum Soundtrack deines Lebens. Es klingt schöner als Beethovens 9te.

Du glaubst, dass es nichts göttlicheres gibt, als dein Kind bei dir zu haben und seinen Honigduft einzuatmen.

Du wirst verstehen, was es bedeutet, einen kleinen Menschen immer an erste Stelle zu setzen.

Du wirst zum ersten Mal wirklich verstehen, wie es ist, jemanden so sehr zu lieben, dass es gleichzeitig schmerzt und Freude bringt, sowohl körperlich als auch emotional.

Du wirst erkennen, das alles, was in der Welt zählt, im Zimmer nebenan schläft.

Du wirst sehen, dass es nichts Schönes auf der Welt gibt, als Mama zu sein.

Alles Liebe,

Isabelle

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