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Ein Gastartikel von Rosalinde aus Oldenburg

Im Grunde genommen glaube ich, dass nahezu alle Mamas leichte Hypochonder sind, anscheinend gehört das zum Muttersein dazu.
Wenn unsere Kinder krank werden, müssen wir direkt und mit kühlem Kopf
handeln, falls wirklich mal etwas Schlimmes passiert. Es ist nie schön, wenn unsere Kinder sich schlecht fühlen denn wir sind instinktiv darauf programmiert sie zu beschützen, komme was da wolle!

Einige von uns Müttern allerdings, können diese Instinkte nicht ganz so steuern, wie es normalerweise sein sollte. Das Gefühl beschützen zu wollen, nimmt Überhand und wird zu einer überwältigenden und lähmenden Angst.
Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich tatsächlich mal zum Hypochonder mutiere. Bis ich dann Mutter wurde….

Ich habe eine Angststörung, die sich u.a. dadurch äussert, dass ich ständig mit der Angst kämpfe, ich könnte meine „Lieben“ verlieren.

Wir wissen alle, dass diese bösen Krankheiten die unsere Kinder anschleppen sie ganz leicht in die Notaufnahme befördern – oder schlimmer –  sogar töten könnten.

Manchmal bin ich ne ganz „coole Socke“ wenn eines meiner Kinder krank ist. Irgendwie bin ich im Laufe der Jahre, in denen die Häufigkeit und auch das Ausmaß der Krankheiten zunahm, gleichzeitig irgendwie entspannter geworden.

Manchmal jedoch nimmt meine Angst Züge an, die ich nicht mehr so easy kontrollieren kann. Zwanghafte Gedanken über die Krankheit an sich beherrschen mein Handeln. Ich entwickele eine nahezu skurrile Besessenheit und zeige merkwürdige Verhaltensweisen, wenn es um das Thema Krankheit und alles, was damit zu tun hat, geht.

Ich weiss, dass ich damit nicht alleine bin. Ich glaube, dass Hypochondrie unter Müttern ( und Vätern) weiter verbreitet ist, als wir uns vorstellen können.
Ich möchte daher einige meiner „verrückten Gedanken“ und Verhaltensweisen rund um das Thema Krankheiten mit euch teilen und hoffe damit inständig, dass sich einige nicht mehr so alleine mit dem Problem fühlen.

1. Sobald eines meiner Kinder erzählt, das jemand krank nach Hause geschickt wurde, forsche ich nach nach weiteren Details!

Wenn die Erzieherin erzählt, dass ein Kind im Kindergarten gespuckt hat, geht es bei mir auch schon los:
Ich fange an, meine Kinder auszuquetschen, wo genau dieses andere Kind gesessen hat, ob es sich in ihrer Nähe aufgehalten hat und was genau die Symptome waren…
Ich muss alles erfahren, sonst steigere ich mich direkt weiter rein! Dann warte ich 48 Stunden auf eintretende Symptome und denke dabei IMMER zwanghaft: „Jetzt geht´s gleich los“…

2. Wenn ich auf Facebook mitbekomme, dass ein Kind in der Nachbarschaft krank ist, rechne ich die Entfernung zu unserem Haus aus und frage mich, wie lange der Virus bis hierher braucht!

Ich kann doch nicht die einzige sein, die sowas tut? Selbst wenn der besagte Post auf Facebook aus einer ganz anderen Stadt kommt…Ich bin in Aufruhr! Es könnte sich ausbreiten und uns bald schon nieder strecken! Ich überlege mir, wo überall verseuchte Menschen wohnen und beginne wilde Überlegungen, wie hoch die Chance ist, dass es uns, bzw. wann es uns auch heimsucht!

3. Ich besuche Menschen mindestens zwei Wochen lang nicht, wenn auch nur eine Person aus diesem Haushalt am gefürchteten Norovirus erkrankt ist.

Wir Hypochonder wissen ganz genau, dass ein Norovirus auf nahezu allen Oberflächen mindestens zwei Wochen überleben kann. Er kann mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln nicht zu 100 % abgetötet werden, was wiederum bedeutet, dass er fröhlich an alle Menschen weitergegeben werden kann.
Wenn ich also weiss, dass ein Norovirus durch euer Haus geflogen ist, wird es sehr lange dauern, bis ich wieder zu Besuch komme;)

4. Ich achte auf jedes kleine Symptom, selbst dann, wenn meine Kinder nicht krank sind!

Nicht immer, aber besonders in der klassischen Erkältungszeit, werde ich selbst bei den kleinsten Symptomen panisch.
Mein Kind hat das Abendessen nicht ganz aufgegessen? Ich hole mal schnell lieber den Kotz-Eimer!
Mein ausgeschlafenes Kind ist wieder müde? Die Grippe kommt! Ich weiss, dass alle Eltern bis zu einem gewissen Grad so denken…Ich aber ziehe hier alle Register! Zur Sicherheit!

 

Ich erscheine hier extrem irrational und meine Handlungen wirken überzogen, oder? Stimmt, so bin ich! Mein Unterbewusstsein weiß, dass das alles Quatsch ist. Allerdings weiß ich als Hypochonder natürlich auch viel mehr über Kinderkrankheiten als andere, nicht betroffene Menschen. Dies führt unweigerlich natürlich zu noch mehr Kettenreaktionen. Mein hoher Anteil an Fachwissen sorgt trotz Panik immer noch dafür, dass meine Kinder viel schneller gesund werden als andere!

Das Problem ist aber, dass meine Angstsörung permanent getriggert wird. Sie treibt mich plötzlich in diesen Wahn von Irrationalität und sie will einfach die Kontrolle übernehmen. Es ist schlimm und deswegen gehe ich seit zwei Jahren zur Therapie. Mittlerweile kann ich mein Verhalten viel mehr durchschauen, ich weiß, was mit mir passiert und langsam aber sicher kann ich wieder gemäßigter handeln. Mittlerweile kenne ich viele Tricks, um die Panik nicht überhand nehmen zu lassen. Aus einer anfänglichen Panik entsteht nicht mehr automatisch eine Panikattacke.

Es ist so ein unglaublich gutes Gefühl, ganz realistisch handeln zu können, wenn meine Kinder krank sind. Es ist wirklich wunderbar!

Wenn man für sich erkannt hat, dass man tatsächlich unter Hypochondrie leidet, gibt es tolle Therapieformen, die einem helfen, wieder einen unbeschwerten Alltag leben zu können.

Wir sind es uns und unseren Kindern schuldig, diese Krankheit anzugehen und sie letztlich auch zu überwinden. Damit ein Leben wieder lebenswert ist.

Es gibt Hilfe und vor allem Hoffnung!

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