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Ein Gastbeitrag von Anna Z.

Meistens reagieren die Menschen wirklich cool auf meine kleine Tochter, die mit dem extra Chromosom geboren wurde.

Meistens……

Dann gibt es wiederum Zeiten… naja… in denen diese wohlmeinenden, sehr netten Leute Dinge sagen, die mich einfach verrückt machen. Ich weiß, dass sie nur versuchen, nett zu sein. Aber ob es nun daran liegt, dass ich diese Dinge wirklich sehr oft höre, oder weil sie einfach nicht der Realität entsprechen, in der wir leben, weiß ich gar nicht genau. Es gibt jedenfalls ein paar „Komplimente“, die mich wirklich missmutig stimmen…

1. „Kinder mit Down-Syndrom sind Geschenke Gottes“

Dieser Spruch ist ja an sich nicht unwahr, und er stört mich auch nicht wirklich… Ich höre ihn nur andauernd. Meistens erzählen die Leute mir das, während meine anderen Kinder neben mir stehen. Ich möchte mich dann stets zu meinen Jungs runter beugen und ihnen gerne sagen: „Habt ihr das gehört? Ok, passt auf, auch Kinder ohne Down-Syndrom sind Geschenke Gottes!“

Alle Kinder sind Gottes Geschenke. Die andere Sache, die mich dazu bringt, mich über diesen Satz aufzuregen ist, dass ich das Gefühl bekomme, dass man Kinder mit Down-Syndrom auf ein Podest stellen sollte. Ich will mich jetzt gar nicht weiter unnötig aufregen, aber dieses Podest trennt sie weiter von ihren Altersgenossen, und ehrlich gesagt, gibt es mir das Gefühl, dass ich nicht einfach mal sagen kann, dass sie von Zeit zu Zeit eine ganz normal, nervige Dreijährige ist. Die Leute tun so, als ob ich einen Frevel begehe, wenn ich über sie, wie über jedes andere meiner Kinder in der Trotzphase spreche.

2. „Sie ist die ganze Zeit so glücklich und fröhlich!“

Meine Tochter ist sehr glücklich. Weißt du was? Sie ist ungefähr genauso ​​glücklich wie ALLE meiner anderen, nicht-chromosomal erweiterten, Kinder. Stereotypen existieren nur aus einem Grund in den Köpfen: Allgemein wird ständig behauptet, dass Menschen mit Down-Syndrom immer glücklicher als andere sind. Dies bedeutet aber nicht, dass sie wirklich immer glücklich oder die ganze Zeit über fröhlich sind. Greta ist jetzt zwei Jahre alt und sie macht das, was andere Kinder in ihrem Alter auch tun: Sie hat Wutanfälle, sie wirft mit Dingen um sich, sie schmiert Malfarben auf ALLES, sie ist einfach ein kleiner Terrorzwerg. Alles ganz normal für das Alter. Sie hat ihre eigene Persönlichkeit und sie kann verdammt wütend auf dich werden, wenn du ihr einen Grund dazu gibst. Einer meiner Freunde sagte etwas über ihr eigenes Kind mit Down-Syndrom, das mich zum Lachen brachte: „Sie hat das Down-Syndrom, keine verdammte Lobotomie!“(Unter Lobotomie bezeichnete man einen chirurgischen Eingriff, bei dem das WUTzentrum ausgeschaltet werde sollte, indem man die Hirnlappen voneinander trennte)

3. „Sie sieht gar nicht so aus, als hätte sie das Down-Syndrom!“

Och, komm schon, doch, das tut sie. Sie ist eine gute Mischung aus meinen Eigenschaften und den Eigenschaften ihres Vaters, zusätzlich wird das Ganze durch das Vorhandensein eines zusätzlichen Chromosoms „gepimpt! Sie hat alle „klassischen“ Merkmale des Down-Syndroms: Die mandelförmigen Augen, die tiefliegenden Ohren und das Fehlen eines Nasenbeines. Wenn also jemand sagt, dass sie nicht aussieht, als hätte sie das Down-Syndrom, dann tut mir das sehr weh. Es fühlt sich an, als ob du mir lediglich sagen willst, dass sie trotz ihrer chromosomalen Ausstattung hübsch ist. Ich denke, dass sie genau deswegen so schön ist.

Es gibt einen Unterschied darin, ob du sagst, dass sie nicht aussieht, als ob sie das Down-Syndrom hat, ODER ob du ihr Down-Syndrom gar nicht bemerkst. Ich liebe es, wenn Leute nur Greta sehen. Sie sehen in ihr auch nur meine schöne Tochter.

4. „Denk doch mal nach! Es wird immer so sein, als würde ein kleines Kind bei dir wohnen! Dein Kind wird niemals erwachsen werden! „

Zunächst einmal, lass dir gesagt sein, das diese Aussage einfach nicht der Wahrheit entspricht. Erwachsene mit Down-Syndrom sind keine Kinder, die in größeren Körpern gefangen werden. Sie verfügen genauso wie alle anderen über Lebenserfahrungen, sie lernen, sie verlieben sich, sie tun fast alles, was „normale“ Erwachsene eben auch tun. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie ihr ganzes Leben lang auf bestimmte Hilfe verzichten können. Ich bin nicht die Art von Mutter, die den ganzen Tag darüber nachdenkt, ob sie es schaffen wird, ihre Kinder aufwachsen sehen zu können. Ich möchte, dass Greta erwachsen wird. Ich möchte, dass sie unabhängig wird. Sie wird es sein, garantiert.

5. „Ich könnte niemals das leisten, was du täglich leistest! Du bist eine wahre Heldin!“

*Grrrrrrrrrrrrrrrrr* Das ist wirklich die dümmste Aussage, die ich zuweilen an den Kopf geschmissen bekomme. Ich weiß, dass die Leute denken, dass ich das hören möchte. Falsch. Zunächst einmal: Woher weißt du, dass du das alles nicht leisten könntest? Hätte man mir früher gesagt, dass ich mal Mutter eines Kindes mit besonderen Bedürfnissen sein würde, dann hätte ich bestimmt gesagt: „Ich? Nie im Leben „und dann wäre ich schreiend aus dem Zimmer gerannt. Du weißt nicht, was du alles schaffen kannst, bis du genau an den Punkt kommst, an dem du gar keine andere Wahl hast. Du musst es schaffen. Wenn du mir also sagst, dass ich deine Heldin bin, dann stellst du mich ebenfalls auf ein Podest, das ist eine Sache, der ich nicht gerecht werden kann geschweige denn gerecht werden möchte. Ich bin eine ganz normale Mutter in einer vielleicht ungewöhnlichen Lebenssituation. Es geht hier um meine Kinder, und ich liebe sie abgöttisch und ich kämpfe für sie, wie jede andere Mutter das auch tun würde.

Wie ich eingangs schon sagte, die Leute sind eigentlich meistens wirklich großartig. Ich möchte lieber, dass mir die Leute all diese doofen Sätze an den Kopf knallen, anstatt dass sie irgendwelchen Blödsinn nachplappern, die ihnen wiederum andere Leute über das Down-Syndrom erzählt haben. Ich verstehe, dass die Leute oft gar nicht wissen, was sie sagen sollen, sie versuchen lediglich, nett zu sein. Und ich schätze sie dafür. Das Schlimmste, was man einer Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom antun kann, ist einfach NICHTS zu sagen.

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