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Ein Text von Shirin Mozahmaded.

Kaum ein anderes Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie Kinderthemen. Themen rund um Ernährung, Erziehungsmethoden oder das Impfen führen oft zu polarisierten Elterngruppen die sich nahezu berufen dazu fühlen, andere von ihrer Sichtweise überzeugen zu müssen. Das Thema Schlafen steht ganz oben auf dieser Rangliste.

Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Arten von Eltern: (1) Diejenigen, die eine sehr strikte Schlafenszeit für ihre Kinder favorisieren und sich ausnahmslos an die Zeiten halten und Kontrollfreaks sind und (2) Diejenigen, deren Kinder keine feste Schlafenszeiten haben und die demnach echt entspannt bleiben, wenn es mal wieder später wird.

In welche Kategorie ich passe? Ich gehöre definitiv zur Kategorie der Kontrollfreaks. Ich gebe es zu. Ich bin ein echter Kontrollfreak, wenn es um die Zu-Bett-geh-Zeiten meiner Kinder geht.

Ein Freundin von mir lud mich letztes Jahr zum Osterfeuer bei sich im Dorf ein. Osterfeuer? Muss es draußen nicht dunkel sein, damit das Osterfeuer starten kann? Das würde ja bedeuten, dass sie wahrscheinlich frühestens um 20.30 Uhr damit anfangen würden. Ha! Da schlafen meine Kinder schon seit zwei Stunden! Jupp, meine Kinder gehen um 18.30 Uhr ins Bett. Und dank der guten alten Sommerzeit sind meine Kinder das erste Halbjahr des Jahres schon längst im Bett, bevor die Sonne untergeht.

Im ersten Lebensjahr meiner Töchter habe ich hart daran gearbeitet, um sie an diesen Zeitpan zu gewöhnen. Falls jetzt jemand denkt, ich hätte meine Kinder schreien lassen: Falsch! Wir schlafen auch heute noch bedürfnisorientiert im Familienbett. Unsere Familie folgt einer „Der frühe Vogel fängt den Wurm“-Mentalität. Es ist total egal, wann meine Kinder abends ins Bett gehen, ich weiß, dass ich bereits sehr früh am nächsten Tag vom Gesang meiner zwei Jahre alten Tochter geweckt werde.

Süß, keine Frage – ABER- So früh am Morgen kann das auch mal echt kräftezehrend sein. Da es noch dauern wird, bis sie alt genug sind, um selber aufzustehen und sich Frühstück zu machen, bedeutet das, dass ich eben auch aus dem Bett gezerrt werde. Ich selber war auch nie eine Nachteule und gehe gerne früher ins Bett.

Meine Kinder verstehen mein Schlafkonzept noch nicht.
Meine Kinder haben noch keine Vorstellung davon, was Zeit eigentlich bedeutet. Sie wissen nicht, dass es noch Kinder gibt, die draußen spielen dürfen und dass all die guten Shows im Fernsehen erst nach 20.15 Uhr laufen oder dass wir Eltern viele Einladungen bewusst ablehnen.

Meine Motto? Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß. Wisst ihr, die Welt ist einfach viel schöner, wenn Kinder glücklich sind. Wenn meine Kinder genug Schlag bekommen, sind sie glücklich. Und wenn sie glücklich sind, bin ich auch glücklich. Merkst du, worauf ich hinaus will? In meinem Haushalt bedeutet Schlaf = Glück. Also stelle ich derzeit gut erholte Kinder über ein soziales Miteinander.

Ich bin immer fasziniert von Eltern, deren Kinder deutlich länger aufbleiben dürfen, als meine. „Ich kann nicht glauben, dass er so lange wach geblieben ist, um das entscheidende Tor mitzubekommen!“, sagte ich erst neulich erstaunt zu meiner besten Freundin. „Wieso? Ich fand den Abend so viel entspannter!“, schwärmte sie. Und da sie meine beste Freundin ist, kann ich sie mit einem Augenzwinkern anschauen und sagen: „Du bist verrückt“ und sie zwinkert zurück. Zwischen uns herrscht gegenseitiges Verständnis, obwohl wir bei diesem Thema so unterschiedliche Ansichten haben.

Trotzdem vergesse ich manchmal, dass nicht alle Familien genau so ticken wie wir. Ich vergesse manchmal, dass es Kleinkinder gibt, die bis 21.00 Uhr, 22.00 Uhr (oder sogar noch später!) wach sind. Anscheinend klappt das bei einigen Eltern und Kindern super, bei uns jedoch wäre das undenkbar. Ich kann mir auch vorstellen, dass andere Eltern wahrscheinlich ebenfalls verblüfft reagieren, wenn sie hören, wie wir das handhaben: „Deine Kinder gehen IMMER um 18.30 Uhr ins Bett?“

Vielleicht gehören deren Kinder auch zu der Art von Kindern, die am nächsten Tag nicht um 7 Uhr wieder auf der Matte stehen. Diese Kinder sind vielleicht am nächsten Tag auch mit weniger Schlaf noch erträglich. Das würde bei meinen Töchtern nie funktionieren.

Wisst ihr, mir gefällt es auch, dass meine Kinder so früh ins Bett gehen. Die Zeit zwischen ihrer Schlafenszeit und der Zeit, zu der ich dann ins Bett gehe, bietet meinem Mann und mir die Gelegenheit, über unseren Tag sprechen zu können, ohne dass ein weinendes Kleinkind an unseren Beinen hängt und parallel noch ein weiteres Kind beruhigt werden muss.

Werden sie ihr ganzes Leben lang früh ins Bett gehen? Sicherlich nicht. Und auch jetzt gibt es gelegentliche (wenn auch sehr seltene) Fälle, in denen etwas ganz besonderes die Schlafenszeit nach hinten verschiebt. Also, während die nahe Zukunft wahrscheinlich viele früh beendete Tage für unsere Familie im Repertoire hat, weiß ich, dass meine Kinder irgendwann das Leben nach 18.30 Uhr kennenlernen werden.

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