Werbung

Mein Name ist Yvonne aus Rheinland-Pfalz. Ich denke, dass es viele Mütter gibt, die mein Thema interessiert.

Ich weiß es noch genau: Es war der 19.1.1988, ich war fünf Jahre alt und kam abends von meiner Freundin nach Hause.
Wir wohnten bei meinen Großeltern im Haus. Mein Opa kam wie der Blitz die Treppe runter gerannt und sprang zum Telefon. Kurze Zeit später war das Haus voller Ärzte, Sanitäter und Polizisten. Mein kleiner Bruder, der drei Tage später ein Jahr alt werden sollte, hatte im Schlaf aufgehört zu atmen. So wurde es mir jedenfalls später erklärt.
Plötzlicher Kindstod lautete die Diagnose.
Ich kann mich noch daran erinnern wie ich mich vor einen Polizisten, der gerade mit meiner Oma sprach, aufgebaut habe, zu ihm hoch guckte & mit ausgestreckten Finger sagte „Von uns war das aber keiner!“ Ich kannte den Tod ja bisher nur aus dem TV.
1990 wurde ich erneut Schwester eines kleinen Bruders. Er hatte ein Herzmonitor. Ich weiß noch, das es damals sehr viele Fehlalarme gab. Meine Mutter wurde jedesmal panisch. Da mein anderer Bruder so kurz vor seinem ersten Geburtstag starb, hatte mein neugeborener Bruder das Gerät bis er ca eineinhalb war. Damals gab es nur eine blaue Elektrode, die an seinem Bauch befestigt wurde.

Für mich stand schon ganz früh fest: Sollte ich mal Kinder bekommen, so werden diese auch an einen Herzmonitor angeschlossen werden!

Im Februar 2017 hab ich positiv getestet. Im Sommer 2017 hatte ich einen Kinderarzttermin abgemacht, um mit dem Arzt über meine Ängste sprechen zu können. Die Arzthelferin fragte mich natürlich, um welches Kind es denn gehen würde, ich zeigte auf meinen Bauch. Sie guckte mich komisch an. Aber das war mir egal.
Im Gespräch mit dem Arzt erklärte ich, dass ich für meinen derzeit noch ungeborenen Sohn einen Herzmonitor haben möchte. Ich habe ihm meine Beweggründe erklärt und ihm auch direkt ins Gesicht gesagt, dass ich mich nicht mit „Das Kind ist gesund, das braucht das nicht“ abspeisen lasse. Mein Bruder war auch gesund und ist trotzdem gestorben.
Ich sagte ihm, dass ich mir ansonsten einen anderen Arzt suchen würde, wenn er meinem Vorhaben nicht zustimmen würde. Er hat mir den Herzmonitor zugesagt und wir sind auch heute noch sehr zufrieden mit ihm als unseren Kinderarzt.
Mit der Krankenkasse hatte ich auch direkt gesprochen und gesagt, das ich einen Überwachungsmonitor brauche.
Obwohl mein Sohn erst im Oktober geboren wurde, hatte ich vorab alles Wichtige geklärt.  Von meiner Mama wußte ich, dass es zu viele Fehlalarmen kommen kann, aber auch das war mir egal.

Am 06.10.2017 wurde mein kleiner perfekter Junge geboren.
Bei der U2 sprach ich mit dem Kinderarzt im Krankenhaus über den Herzmonitor. Ich erzählte ihm, dass ich das Gerät auch über unseren Kinderarzt bekommen kann. Er erklärte mir, dass ich selbigen auch über das Krankenhaus bekommen könnte. Dazu müsste mein Sohn allerdings auf die Kinder-Station verlegt werden. Es war ein Sonntag. Der Arzt erklärte mir, dass wenn am Montag das Gerät bestellt werden würde, es mit ganz viel Glück  am Dienstag da wäre. Es könne dann über Nacht mit deren Geräten synchronisiert werden und ich könne meinen Sohn frühestens Mittwoch nach Hause holen. Er war bis dahin die ganze Zeit nur bei mir. Wäre er auf die Station gekommen, hätte ich ihn gerade mal „besuchen“ können. Er wäre de facto also nicht mehr bei mir, demnach hätte er nachts nicht in meinen Armen schlafen können. Der Gedanke tat mir körperlich weh! Mir wurde gesagt, ich solle es mit meinem Mann besprechen und dann Bescheid geben, wir wir uns entschieden hätten. Natürlich habe ich sofort unter Tränen meinen Mann angerufen. Ich wußte nicht, welche Entscheidung die richtige sei. Sollte ich ihn auf die Station geben? Oder wie geplant mit ihm nach Hause gehen und dann das Rezept für das Gerät vom Kinderarzt holen? Glücklicherweise war der Gedanke unseren Sohn auf die Kinder-Station zu verlegen für meinen Mann genauso schlimm wie für mich. Also haben wir uns entschieden, dass wir nach Hause gehen und wie geplant das Gerät über unseren Kinderarzt beziehen.
Am darauf folgenden Montag waren wir gleich morgens in der Praxis. Wir haben ohne Probleme das Rezept bekommen, dazu gab es  eine Telefonnummer des Herstellers über den wir das Gerät bekommen würden.
Am nächsten Morgen rief mein Mann dort an und zwei Stunden später war die Dame mit dem Monitor schon bei uns.
Mir fiel ein Stein vom Herzen! Endlich konnte ich schlafen. Bis dahin war ich alle paar Minuten wach geworden. Mein Sohn schlief nonstop bei mir im Arm. Ich wurde sofort wach, auch wenn er nur einen kleinen Pieps von sich gab, ich wurde allerdings auch wach, wenn er mehrere Minuten lang zu „ruhig“ schlief. Mein erster Blick galt seiner Brust, ich schaute, ob er noch atmete.
Dank des Überwachungsgerätes würde ich ja fortan geweckt werden, wenn er nicht atmete. Einen erste Hilfe Kurs für Kleinkinder & Säuglinge hatten mein Mann und ich bereits Ende August absolviert.
Ein Herzmonitor misst nicht nur den Herzschlag, sondern auch die Atmung und den Sauerstoffgehalt. Dafür hat unser Sohn drei Elektroden auf der Brust und einen Sensor am Fuß.


Die Vertreterin, die uns das Gerät brachte, erklärte uns, das die Elektroden alle 3-4 Tage gewechselt werden müssen und der Sensor am Fuß bei jedem Wickeln an den anderen Fuß montiert werden muss. Der Sensor selber würde ca. eine Woche lang halten.
Anfangs hatten wir unseren Sohn 24/7 am Gerät angeschlossen. Den Sensor am Fuß bei jedem Wickelvorgang wechseln zu müssen, war echt anstrengend! Es dauerte immer eine gefühlte Ewigkeit, bis der Sensor die richtigen Werte hatte und er piepte unentwegt. Da war die Tatsache, dass wir ihn extra laut hatten einstellen lassen, eher hinderlich. Ein Schrank der eigentlich auf den Müll sollte, leistete uns unerwartet gute Dienste, denn dort stellten wir das Gerät ab. Da das Gerät so laut war, hing ich es an einen Nagel direkt über meinem Kopf. Die Kabel verlegte ich zwischen meiner und seiner Matratze.
Nach ca. zwei Monaten haben wir ihn nur noch nachts angeschlossen. Wir konnten recht schnell beobachten, dass er, wenn er tagsüber bei uns im Wohnzimmer schlief, nicht so fest schlief, wie nachts. Die Hintergrundgeräusche sorgten dafür. Damit war für uns klar, dass er tagsüber, solange er bei uns im Wohnzimmer schlief, nicht ans Gerät angeschlossen werden muss.
Zeitweise gab es zahlreiche Fehlalarme. Mit vier Monaten erkannte das Gerät immer wieder eine Schlaf-Apnoe. Das Gerät zeichnete auf, dass mein Kind nicht atmete!
Aber ich hörte ihn doch schnarchen!? Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung waren doch auch in Ordnung? Was war los? Das ging ein paar Wochen so. Mehrmals die Nacht. Jedesmal hatte ich fast ein Herzinfarkt. Zumindest in der ersten Woche. Irgendwann gewöhnte ich mich daran, schließlich atmete er ja regelmässig, auch wenn es zu einem Alarm kam. In den Nächten wo es besonders schlimm war kam es vielleicht insgesamt zwei Mal vor, dass ich nach zwanzig Fehlalarmen das Gerät ausschaltete.
Zusammen mit der Vertreterin und unserem Kinderarzt versuchten wir heraus zu finden, wie wir das Problem beheben können.Wir veränderten die Position der Elektroden aber es half nichts. Fakt war, das er einfach nur zu flach atmete, so dass das Gerät seine Atemfrequenz nicht aufzeichnen konnte. Auch seine Herzfrequenz ging teilweise auf unter 80 runter. Das Gerät gab nur bei unter 80 Schlägen pro Minute Alarm. Laut Kinderarzt war das nicht weiter bedenklich. Unser Monitor wurde neu eingestellt und auch die Einstellung der Atemfrequenz wurde mit der Einstellung für die Sauerstoffsättigung neu programmiert und angepasst. Somit gab es nur einen Alarm, wenn seine Atmung nicht erkannt wurde und der Sauerstoffgehalt zu niedrig war. Die Fehlalarme wurde weniger.
Von einer anderen Herzmonitor Mama habe ich den Tipp bekommen, einen Tropfen Wasser in die Mitte der Elektrode zu tröpfeln, damit die Elektroden besser halten und seitdem habe ich immer eine Tasse Wasser an der Wickelkommode stehen und siehe da: Keine Fehlalarme mehr 🙂

Mein Sohn ist jetzt 10 Monate alt. Durch seine Mobilität untersucht er leider auch die Elektroden an seiner Brust.
Er kaut auf den Kabeln herum und reißt sich die Dinger gerne selber ab. Gerade jetzt im Sommer ist es echt ein Kampf! Eine andere Herzmonitor Mama gab mir den Tipp, die Elektroden am Tag abzumachen und sie ruhig nochmal wieder zu benutzen. So kann er jetzt auch mal nur in Pampers toben.
Nachts muß er allerdings immer einen Body tragen, damit er sich vor dem Einschlafen nicht selbst vom Gerät abklemmt.

Da mein Bruder so kurz vor seinem ersten Geburtstag verstarb, werden wir den Herzmonitor bis zu seinem zweiten Geburtstag im Einsatz lassen. Solange wird er auch bei uns im Schlafzimmer bleiben.
Er wird in zwei Monaten ein Jahr alt und ich befürchte, dass ich dann nochmal große Panik schieben werde. Es gibt keine Nacht, in der er nicht an seinem Monitor angeschlossen schläft. Die Angst, das wenn er mal eine Nacht nicht angeschlossen ist und dann ausgerechnet etwas passiert, ist einfach zu groß. Er hat auch nichts mit im Bett, was dort nicht hin gehört: Kein Nestchen, keine Stofftiere etc.

Ich weiß das es viele Herzmonitor Mamas gibt, aber ich habe noch nirgendwo eine geeignete Plattform gefunden, auf der man sich austauschen kann.Insbesondere die wichtigen Kniffe und Tricks sind so wichtig. Deswegen habe ich bei Facebook eine Gruppe erstellt, sie heißt „Baby Herzmonitor„
Wer ebenfalls ein Kind mit diesem Gerät hat, kann gerne in die Gruppe kommen, um sich auszutauschen. Denn nur wer so ein Ding zu Hause hat weiß, wie eng Segen & Fluch beieinander liegen.

Liebe Grüße Yvonne

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.