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Von Isabell aus Frankfurt

Ich habe diesen Satz tatsächlich gesagt.

Ich sagte ihn, als sie noch Babys waren.

Ich habe ihn ganz selbstbewusst heraus posaunt, als sie noch Kleinkinder waren.

Ich sagte ihn mutig, als sie mit der Vorschule und dann mit der Grundschule begannen.

Ich habe ihn mit Überzeugung in der Stimme gesagt, als sie zum Gymnasium gingen.

Und dann habe ich ihn auch noch weiterhin gesagt. Ziemlich oft sogar.

Ich sagte den einen Satz, den du als Elternteil nie sagen solltest:

„MEIN KIND WÜRDE SO ETWAS NIEEEEEEEEE TUN!“

Ich habe ihn deswegen so oft ausgesprochen, weil ich es einfach nicht besser wusste. Ich meine, ich bin eine total coole Mama, und coole Mamas ziehen keine Kinder auf, die dumme Dinge tun. Sie erziehen keine Kinder, die schlimme Dinge tun. Lächerliche Dinge. Dinge, bei denen dein Gesicht rot vor Wut wird, während du „Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?!“schreist. Das tun sie einfach nicht. Coole Mamas und Papas erziehen nur großartige, perfekte, vorbildliche Kinder.

Deshalb brannte sich dieser Satz auch so in mein Hirn ein und ich habe ihn tatsächlich so gemeint, wie ich ihn gesagt habe. Diesen Satz.

Dann hat mir das Leben tatsächlich ins Gesicht geschlagen. Ich wurde gedemütigt. Und ich war entsetzt, verlegen, beschämt – mein Selbstwert als Mama wurde auf die Probe gestellt . Und ich bedauerte, dass ich diese besagten Worte jemals aussprach.

MITTLERWEILE weiß ich, dass ich den Satz nie wieder aussprechen werde: Mein Kind würde so etwas NIEEEEEEE tun!

Ich rede mit euch, Müttern und Vätern des offensichtlich perfekten und immer ehrlichen Schülers.

Es ist immer so einfach, sich zurückzulehnen und das Leben von der abgeschirmten Seitenlinie aus zu beobachten, wenn man denkt, dass die Familie und die eigenen Kinder gegen die Versuchungen und Wünsche immun sind, die den Rest von uns plagen. Es ist leicht, dem Kind  den Kopf zu tätscheln, während du über das, was der kleine Elias heute in der Schule getan hat, tratschen kannst und dann ganz lässig sagst: „Mein Kind würde das nie tun.“

Es ist einfach, ignorant anzunehmen, dass die Art und Weise, wie du deine Kinder erziehst, sie vor rücksichtslosen Entscheidungen, dem Druck von Gleichaltrigen und anderen weniger ehrenhaften Verhaltensweisen schützt, aber lass mich die Erste sein, die dir sagt, dass das Schwachsinn ist. Kinder werden immer Kinder sein, und nein, das ist keine Ausrede für ihr schlechtes Benehmen. In einfachen Worten: Kinder sind nicht in der Lage, erwachsene Entscheidungen zu treffen, eben weil sie Kinder sind.

Die meisten Erwachsenen sind unfähig, rationale Entscheidungen zu treffen, aber wir erwarten, dass unsere Kinder das immer können?

Du kannst eine total eigenartige Mutter sein und kannst trotzdem das Glück haben, das perfekte Baby, Kleinkind, Kind, Teenager und jungen Erwachsenen großzuziehen. Aber wenn du wie der Rest von uns kämpfst, um eine echt coole Mama zu sein, nur um dann in die Augen eines verblüfften Teenagers zu starren, während du ungläubig : „Du hast was gemacht!??“, sagst, dann willkommen im Club. Setz dich, trinke etwas Wein, und lass mich dir als Erste sagen, dass auch das vorbeigehen wird. Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn ich ein Kind großgezogen hätte, das als Kind nie Mist gebaut hat.

Sei beruhigt, immerhin weißt du, dass einige der besten Lektionen des Lebens direkt nach einigen der größten Fehler und Misserfolge des Lebens kommen. Erinnere dich auch daran, dass selbst die allerbesten, hellsten, höflichsten und bravsten Kinder irgendwann etwas tun werden, von dem du nie gedacht hast, dass sie es jemals tun würden, und zum größten Teil hat es sehr wenig mit deiner Erziehung zu tun.

Wenn du das liest und mitnickst, weil du deine Lektion diesbezüglich schon gelernt hast und „Mein Kind würde das nie tun“ komplett aus deinem Spracheschatz gestrichen hast, dann tu mir bitte einen Gefallen. Sei offen anderen Eltern gegenüber, wenn es um diese typischen Erziehungskämpfe geht, diese, die wir schließlich alle durchmachen, und setze die „wir haben die perfekte Familie“ Maske auch mal ab.

Unterhalte dich mit deinen Freundinnen, vor allem mit denen, die sich den herausfordernden Jahren der Pubertät noch nicht stellen mussten, darüber, dass wir, wenn wir unseren Kindern nicht erlauben, zu versagen, die Chance auf eine lehrreiche Niederlage nehmen.

Unser Urteil über die Familien, von denen wir wissen, dass sie schwierige Zeiten mit ihren Kindern durchmachen, sollte zurückhaltend und nicht wertend sein,  vielmehr sollten wir unsere Unterstützung und unser Verständnis anbieten, anstatt in der Ecke zu stehen und „Mein Kind würde das nie tun“ zischen.

Denn mal ehrlich, es gibt viel bessere Sätze als der hier besprochene. Wie wäre es mal mit: „Das hätte mein Kind auch locker so gemacht. Stress dich nicht, das passiert eben!“

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