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Das Leben ist ein Abenteuer. Und das größte Abenteuer im Leben ist das Eltern werden. Zwillingsmama sein ist mein ultimatives Abenteuer. Daran wurde ich gestern wieder erinnert. Ich bin aber auch manchmal herrlich naiv. Aber so bin ich eben.

Ich hole also gestern mein Doppelpack von der Tagesmutter ab. Die beiden freuen sich und turnen um mich herum. Ich packe sie ins Auto und fälle eine folgenschwere Entscheidung: „Wir fahren noch eben kurz einkaufen!“ verkünde ich fröhlich trällernd. Wir brauchen nämlich dringend Obst und auch Milch. Außerdem hat man mir gesagt, dass ich mal wieder das super tolle Angebot im Discounter verpasst habe: Haussocken mit Gummisohle in Größe 22/23! Perfekt zum Kinderturnen! Ich verpasse ständig super tolle Discounterangebote, aber wir könnten ja vielleicht noch Glück haben und kaufen dann eben dort unsere Milch und das Obst.

Standard-Einkaufswagen haben nur eine begrenzte Anzahl Sitzplätze
Die beiden laufen brav mit mir über den Parkplatz und wir organisieren uns einen Einkaufswagen. Hier kommt die erste Falle für Zwillingseltern: 1 Sitz – 2 Kids. Das Chaos-Familien-interne Gesetz besagt, dass Sonnenschein in den Sitz kommt und Prinzessin im Wagen thront. So hat es sich bewehrt. Aber Sonnenschein will plötzlich nichts mehr von bewehrter Ordnung wissen. Er soll in den Sitz? Auf gar keinen Fall! Heute will er in den Wagen. Ich streite mich nicht mit meinem Sohn und setze ihn in den Wagen. Prinzessin will nun aber auf gar keinen Fall in den Sitz, denn sie muss schließlich im Wagen sitzen und den Einkauf kontrollieren. Also beide Kinder im Wagen.

Das Volumen des Einkaufswagen ist somit nahezu ausgeschöpft und ich muss die Einkäufe irgendwie zwischen den Kinderbeinen drapieren. Ich ahne leichte Probleme, will es aber noch nicht wahr haben und fülle meinen sprechenden Einkaufswagen. „Appel!“ „Nein, Sonnenschein, das sind Birnen.“ „Nane!“ „Ja, Prinzessin, wir kaufen Bananen.“ Kein Produkt landet unkommentiert im Wagen und alles wird sofort äußerst akribisch untersucht. Das Publikum ist begeistert: „Zwillinge? So süß!“

Einkaufen mit den zwei professionellen Produkttestern
Die Prinzessin unterzieht die Tomaten sofort einem Test, der auch gut in eine Zahnbürstenwerbung passen würde. Aber Dr. Prinzessin Best braucht keine Zahnbürste zum Tomaten testen. Sie hat Finger! Viel besser geeignet. Die Weintrauben werden abwechselnd genascht und als Luftpolsterfolie ohne Knalleffekt missbraucht. Sie lassen sich aber echt auch herrlich zerdrücken. Ich bin ziemlich beschäftigt, die möglicherweise gefährdeten Lebensmittel aus den vier Kinderhänden zu zupfen und schaffe es daher kaum, zu der Fläche mit den super tollen Angeboten vorzudringen. Macht auch nichts, denn dort angekommen darf ich feststellen, dass ich mal wieder zu spät dran bin.

Aber dafür habe ich ja nun Obst gekauft und mein Sonnenschein cremt sich gerade ein. Cremt sich ein?! Was zum Teufel schmiert er sich da gerade mit Hingabe ins Gesicht?! Das fertige Salatdressing für mein schnelles Abendessen! Er hat nicht nur den Drehverschluss aufgemacht sondern auch die Schutzfolie sauber abgeknibbelt und ist ganz offensichtlich begeistert von der Pflegewirkung des Dressings Sylter Art. Als ausgewiesen schlechte, weil naive Kleinkindmama, habe ich natürlich keine Feuchttücher dabei. Dauerrotznasen sei Dank finde ich aber noch Taschentücher in meiner Manteltasche und versuche dem Geschmier Herr zu werden. Währenddessen beschließt Prinzessin, dass der Wagen doof ist und macht sich an den Ausstieg. Ich gebe in meiner Naivität (und akuten Überforderung durch Multitasking) unüberlegt nach. Denn was passiert, wenn ein Zwilling im Geschäft aus dem Einkaufswagen darf? Natürlich, der zweite Zwilling will auch raus! Aber SOFORT!

Ich überzeuge die beiden sich wenigstens am Einkaufswagen festzuhalten, damit sie mir nicht in unterschiedliche Richtungen flöten gehen. Das klappt erstaunlich gut. Um nicht zu sagen hervorragend. Für genau zwei Minuten.
Dann sehe ich die eine Bommelmütze im Nebengang an den Kühltruhen vorbei wippen, während die andere Mütze samt Trägerin versucht in die Frischetheke zu klettern. Dort oben steht Joghurt! Längst sind wir zur Hauptattraktion im Laden geworden und die Hälfte der Kunden guckt begeistert zu, wie ich meine Kinder einfange. Aber immerhin schaffen wir es, einen Haufen Leute zu amüsieren und zum Lächeln zu bringen. Unsere gute Tat für heute.

Im Gang drei hat sich Sonnenschein für ein Glas saure Kirschen entschieden. Das Glas war aber wohl zu schwer und muss ich der gestressten Kassiererin ein Malheur beichten, während ich an ihr vorbei hechte, um die Prinzessin kurz vor dem Ausgang doch noch einzufangen. Es hilft nichts, die Kinder müssen zurück in den Wagen.

Wenn du denkst, du hast es geschafft…
Unter lautstarkem Protest kämpfe ich mit zwei sich windenden Kleinkindern. Ein Zitteraal in der schlimmsten Trotzphase ist ganz bestimmt leichter einzufangen und zu bändigen als eines meiner Kinder. Trotzdem schaffen wir es. Irgendwann haben alle wieder ihre Ausgangsposition eingenommen und nur Sonnenschein grollt weiter mit seiner Spaßbremse von Mutter. Die piepende Kasse kann ihn dann allerdings besänftigen und ich bin heilfroh, dass wir den Laden verlassen können. Nassgeschwitzt.

Aber zu früh gefreut. Da ich mir sicher bin, dass die beiden aktuell überhaupt nicht in der Stimmung sind brav an der Hand zu gehen, nehme ich den Einkaufswagen mit zum Auto. Eine mögliche Flucht in zwei Richtungen ist mir auf dem überfüllten Parkplatz zu heikel. Prinzessin schaffe ich auch noch relativ unfallfrei in ihren Sitz zu befördern, doch dann wird es kompliziert. Ohne das Gewicht des Sonnenscheins ist der Wagen zu leicht und bewegt sich im starken Wind sofort über den Parkplatz. Bremsen hat das dumme Ding keine und leider parkt direkt neben uns ein Auto, so dass ich auch nicht Sohnemann einpacken und gleichzeitig den Wagen mit dem Fuß festhalten kann.

Kurz habe ich das Gefühl völlig unfähig zu sein. Da stehe ich auf dem Parkplatz und bin überfordert mein Kind in das Auto zu setzen, ohne dass der dann führerlose Einkaufswagen eigenmächtig den Parkplatz unsicher macht. Das ist so lächerlich, dass ich über mich selber lachen muss, zusammen mit dem Sonnenschein den Wagen wegbringe und mich dieses Problems entledige. Prinzessin übersteht die halbe Minute Warten im Auto ohne Folgeschäden und wir schaffen es dann auch unfallfrei nach Hause.

Wir waren nur ganz kurz einkaufen auf dem Weg nach Hause. Ganz kurz haben wir eineinhalb Stunden Abenteuer im Discounter erlebt.

http://chaoshoch2.com/

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