Von Jeannine Mik
„Und, bekommt ihr noch ein Baby?“, fragt mich S., die Chefin meiner KünstlerInnenagentur strahlend. Ich habe sie spontan besucht, um nach einer längeren Ich-bin-jetzt-Mama-Pause zu verkünden, dass ich wieder einsatzbereit bin. „Noch ein Baby? Ein Geschwisterchen für unsere Kleine wäre schon toll, aber ich denke, wir lassen uns da noch ein paar Jahre Zeit.“, antworte ich.

 

Abends, nachdem Mini eingeschlafen ist, liege ich wach und denke an meine Schwangerschaft: Ich habe es geliebt, schwanger zu sein. Die Geburt war ein unvergessliches Erlebnis, die Tage und Wochen danach eine Herausforderung. Ich erinnerte mich an ein Mittagessen vor ein paar Monaten, bei dem ich mit der schwangeren J. über meine Zeit im Spital und das Wochenbett spreche. Damals kamen mir mitten im Lokal plötzlich die Tränen. Als ich so wachliege und an die Decke starre, versuche ich festzumachen, was genau ich beim „nächsten“ Mal anders machen würde. Was hätte ich gerne früher gewusst?

1. Besuchsverbot: Ruhe in den ersten Tagen nach der Entbindung

Meine Tochter und ich verbrachten 5 Tage im Spital. Für JEDEN Tag war Besuch vorgesehen, meistens sogar mehrmals. Das würde ich nie, nie, nie wieder so machen. Ich hätte egoistischer sein sollen: ICH bin Mutter geworden, mein Baby braucht MICH und es braucht Ruhe. Die brauchen wir beide, dringend. Sätze wie: „Person XY sollte aber schon ins Spital zu Besuch kommen, und nicht erst, wenn ihr daheim seid.“, würde ich einfach nicht mehr gelten lassen. Sogar enge Freunde könnten – müssten! – sich eine Woche gedulden. „Es geht jetzt um uns, und um niemand sonst.“, hätte ich lieber einmal zu oft sagen sollen, anstatt mit Ach und Krach in den fünf Tagen nur ein einziges Mal einen Besuch abzusagen.

2. Ein Einzelzimmer buchen, in dem der Papa auch schlafen kann

Ich brachte unsere Tochter mittels Notkaiserschnitt zur Welt. Das erschwerte mir in den ersten Tagen Vieles: Er vergingen drei Tage, bis ich die Kleine mal nackt sah, ihre kleinen Schultern ansehen und streicheln konnte. Ich war körperlich am Anfang nicht einmal in der Lage, sie aus ihrer Spitals-Wiege zu heben. Hätte ich vaginal entbunden – vielleicht würde das Privatzimmer mit „rooming in“ für Papa nun nicht auf dieser Liste stehen. So aber wäre es eine enorme Erleichterung gewesen, physisch als auch psychisch, wenn er nicht nur tagsüber, sondern auch nachts in unserer Nähe gewesen wäre.

3. Wissen: Nein, es bleibt nicht für immer so!

In den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt hatte mich der Babyblues im Griff. Es galt, das Erlebte irgendwie zu verarbeiten und im Mamasein ansatzweise anzukommen. Wie die meisten anderen Mütter auch, war ich ständig vollkommen übermüdet. Da ich beim ersten Baby klarerweise nicht auf diverse Vorerfahrungen zurückgreifen konnte, fragte ich mich: „Wird das nun für immer so sein? Keine Zeit für mich, nur übermüdet oder stillend?“ Ich wäre froh gewesen, wenn ich ganz genau gewusst hätte: Nein, wird es nicht. Du wirst wieder Zeit für dich haben. Du wirst die Zeit mit deinem Kind lieben. Du wirst wieder schlafen – zwar nicht durch-, aus- oder lang… aber ausreichend.

4. Das Neugeborene nicht wie einen Wanderpokal herumreichen

Jeder Mensch, der uns im Spital und kurz danach besuchen kam, nahm auch unser Baby in den Arm. In dem Moment störte mich das nicht. Die Kleine schien sich – in den meisten Fällen – recht wohl zu fühlen. Mir fiel zwar auf, dass sie nachdem wir Besuch hatten, immer weinerlicher war als davor, aber ich schob das auf Müdigkeit oder ein schmerzendes Bäuchlein. (Nur einmal weinte sie sehr stark, als unser Besuch wieder gegangen war.) Leider lernte ich erst einige Monate später, welch ungeheuren Stress das „Herumreichen“ und „Hutschen“ in fremden Armen bei Neugeborenen auslöst. Man stelle sich vor: Dieser kleine Mensch ist fast blind, neu auf dieser Welt. Es ist kalt, die vertrauten Geräusche des Mutterleibes fehlen. Das Einzige, was ihm bleibt, ist der vertraute Geruch der Mutter und ihre Stimme. Nun riecht es plötzlich auch noch fremd, schemenhaft bilden sich vor den Augen des Neugeborenen Umrisse ab, die es nicht kennt und auch die Stimme ist eine andere. Ausnahmezustand, Überlebensangst. Grauenhaft. Auch, wenn ich damit vielleicht böse Blicke oder Kommentare wie „Aber geh, übertreib doch nicht so! Bei uns wurde es doch auch so gemacht!“ ernte, würde ich es bei unserem nächsten Baby anders machen. (Das verlinkte Video von Hebamme Erika Pichler lege ich euch ans Herz. Die 15 Minuten sind weise investiert.)

5. Mich lieb haben!

Was ging ich streng mit mir ins Gericht. Meine Ansprüche an mich selbst waren so hoch, wie immer. Aber als frisch gebackene Mutter sah ich mich mit einer komplett neuen Erlebniswelt konfrontiert. Mit so unendlich großer Verantwortung, mit so viel Liebe und so viel Angst: Dieses kleine Wesen braucht mich! Ich hatte das Gefühl, ich mache alles falsch. Umarmungen von geliebten Menschen waren wichtig. Ich hätte mich selbst auch einmal mehr gedanklich umarmen sollen. Mir auf die Schulter klopfen und sagen: Du machst das super. Du gibst dein Bestes. Du bist eine gute Mutter!


5 Mal Besserwissen im Nachhinein. Das sind natürlich meine ganz persönlichen Lehren, meine Gedanken. (Ich kenne einige Mütter, die der Besuch nach der Geburt im Spital zum Beispiel gar nicht stört, im Gegenteil.) Jede Frau, jedes Baby und jede Geburt ist anders, einzigartig. Genau so sind es natürlich auch die persönlichen Empfindungen.

Ich würde übrigens auch keine Babykleidung in Größe 50 oder so viele Stilloberteile mehr kaufen. Aber diese Punkte gehören dann wohl doch zu einer anderen Liste…

Gibt es Dinge, die ihr anders machen würdet?

Originaltext von Mini and Me

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